Ralf Stieber: Nichts oder: A Journey to the No-go-Area

Last Minute

Auf dem Weg in die No-go-Area traf ich Dutzende von Reisenden, die nicht einmal wussten, wohin sie gerade unterwegs waren, geschweige denn, dass sie einen einzigen überzeugenden Grund für ihre Reise angeben konnten. „Last minute“, stammelten sie, grinsten mich an oder zuckten nur mit den Achseln. „Grönland?“, fragte ein anderer. Brav hielten sie sich an ihren Koffern und Rucksäcken fest. Verrückt ist das, wenn man doch sehr genau weiß, dass man gerade in Birmingham zwischengelandet ist. Es hat den Anschein, dass Reisen in die No-go-Area nicht bilden, sondern im Gegenteil zu Bewusstseinseintrübungen bis hin zur Verblödung führen können.

Nur ein kleiner Teil der Reisenden erreicht das Grenzgebiet im Umfeld der No-go-Area, den Grenzraum. Spätestens dann nimmt das Schicksal die Dinge in die Hand. Die selbsternannten No-go-Forscher geraten vom Wege ab und beginnen, sich heillos zu verirren. Die eigentümlichen Markierungen auf dem Weg zur No-go-Area weisen nach rechts und links, nach oben und unten, führen oftmals im Kreis herum.

Mit einer solchen Vielzahl von teilweise widersprüchlichen Hinweisen, Zeichen und Symbolen, insbesondere Richtungspfeilen, die bereits die Umgebung der No-go-Area kennzeichnen, haben diese typischen No-go-Touristen nicht gerechnet. Ihre Unkenntnis aber bedeutet den sicheren Tod. Jeder zehnte No-go-Reisende kehrt, vertraulichen Statistiken zufolge, nicht mehr von seiner Traumreise zurück. Viele von ihnen sterben an Erschöpfung: Wie in einem Labyrinth, Geweb oder Gespinst gefangen, irren sie oft wochenlang vor oder hinter der No-go-Area herum, hilflos suchend, ehe sie am Ende ihrer Kräfte tot zusammenbrechen. Auch Fälle auszehrender virtueller Erschöpfung sind inzwischen bekannt geworden. Das TABU wirkt, ob man will oder nicht.

Ich bin allein schon im Interesse dieser Reisenden zum engagierten TABU-Verfechter geworden. Will heißen: Wer in die No-go-Area zu reisen beabsichtigt, sollte zumindest ein Grundwissen vom Wesen des TABUs besitzen.en.

Wer in die No-go-Area zu reisen beabsichtigt, sollte zumindest eine Ahnung vom Wesen des Tabus besitzen.