Ralf Stieber: Nichts oder: A Journey to the No-go-Area

Ganz aufgeklärt

In der Not hilft stets ein gutes Lexikon, einige Schritte in den Fußstapfen der Enzyklopädisten. Wahrigs „Deutsches Wörterbuch“ eröffnet auch Fernstehenden einen ersten, wenn auch bescheidenen Zugang zum TABU:

„Tabu <bei Naturvölkern> Vorschrift, gewisse Gegenstände, Personen, Tiere, Pflanzen, Orte usw. zu meiden; [allg.] herkömml. Vorschrift (innerhalb einer Gesellschaft), über etwas nicht zu sprechen od. etwas nicht zu tun; etwas mit einem ~ belegen; ~ s beseitigen; ein ~ verletzen [® tabu].“

Aber nicht nur bei Naturvölkern muss gleichwohl nach dem Sinn und Zweck einer Erklärung für das TABU gefragt werden – schließlich ist das TABU von seinem Wesen her aus sich selbst verständlich und bedarf keiner Erklärung.

TABU und No-go-Area sind, soweit sich das überhaupt beurteilen lässt, eins. Denn wer die No-go-Area kennen lernen will, muss das TABU wahren. Das heißt nicht, sich der No-go-Area willenlos anzupassen. Aber es gilt, ein Gespür für das TABU zu entwickeln. Nur so kann man in der No-go-Area überleben, ohne ihr zu verfallen.

Nur wer das TABU verstehen lernt, kommt der No-go-Area auf die Spur. Das TABU zu halten, heißt der Aufklärung zu dienen. Jeder potentielle No-go-Reisende sollte von der Wechselbeziehung von TABU und Aufklärung wissen und sich auf sein Banner schreiben.

Näheres lässt sich ansatzweise bei M. Horkheimer und Th. W. Adorno in der „Dialektik der Aufklärung“ nachlesen. Dieses epochale Werk verhilft einem auch im Hinblick auf die No-go-Area auf die Sprünge. (Hic  Rhodus, hic salta, vgl. auch Georg Büchmann, Geflügelte Worte.).)

 Das Tabu halten, heißt der Aufklärung zu dienen. Die Aufklärung stört kein Tabu.