Ralf Stieber: Nichts oder: A Journey to the No-go-Area

Realitäten

Apokalyptischer Wink mit dem Zaunpfahl: Solid litter only. No cans, no cups. Auch nicht die 0,33-Literdose. In einer Seitengasse liegt ein Einheimischer im Dreck, trinkt Bier aus einer Tasse. Ein anderer steht zwischen bekritzelten Betonwänden und pisst ins Leere. An der Pommesbude stehen Einheimische Schlange, es ist Mittagszeit, es riecht nach ranzigem Fett. Ein Paar kopuliert wenige Schritte weiter völlig ungerührt auf dem Rasen des Stadtparks. Junkies lauern an der Ecke. Am Himmel Kugelblitze. Weiße Tauben schrecken auf, als ich in die Hände klatsche. Schwarz-weiße Hunde streifen durch die Straßen. Arbeitslose schauen sich gelangweilt um. Glatzköpfige Männer stehen im Hauseingang. Auf dem Fluss treibt ein Fischerboot, irgendjemand zieht tote Fische aus dem schwarzen Wasser. Die Eisenbrücke ans andere Ufer des Flusses rostet vor sich hin. Auf den Häuserwänden Strichcodes.

Keine Frage: Die No-go-Area ist kein Schlaraffenland, sie hat Schattenseiten wie jedes andere Land auf dieser Welt. Die No-go-Area ist auch in ihren Abgründen durch und durch schwarz-weiß, das sollte hier nicht verschwiegen werden. So sah ich tatsächlich verfallene Häuserzeilen, Sperrzonen (No entry) und Soldaten auf Patrouille. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Anders lautenden Zeitungsberichten entgegen herrscht aber in der No-go-Area kein Bürgerkrieg oder Ähnliches. Ich konnte mich in der No-go-Area völlig frei bewegen, wurde nie angehalten, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres als eine Reise durch die No-go-Area. Fast fühlte mich wie ein ganz normaler Tourist, wusste aber zugleich, dass ich privilegiert war. Ein Eingeweihter eben. Ohne Identität.

Die No-go-Area ist kein Schlaraffenland.
Die No-go-Area ist schwarz-weiß.