Ralf Stieber: Nichts oder: A Journey to the No-go-Area

Gespräch

Mehrere Wochen war ich in der No-go-Area unterwegs. Ich hatte genügend Zeit, mir das Leben der Einheimischen genau anzuschauen und deren Sitten und Bräuche kennen zu lernen. Auch begegnete ich mehreren Eingeweihten, die mich ein Stück auf meiner Reise begleiteten. So wurde ich nach und nach in alle Geheimnisse des TABUs und die Bedeutung der diversen Strichcodes eingeführt.

Die Bewohner der No-go-Area waren sehr zuvorkommend zu mir, und ich konnte die entlegensten Gebiete der Area besuchen, ohne in irgendeiner Weise behelligt zu werden. Da ich mich an das TABU hielt, gab es für mich keine TABUs. Noch zudem war die Freundschaft mit Ballygowan so etwas wie ein Schutzbrief für mich.

Einmal hatte ich auch Gelegenheit, mich mit dem ältesten Eingeweihten, eine Art No-go Guru, zu unterhalten: ein gutmütig lächelnder, urwüchsiger Mann, bärtig, stets mit einer Strickmütze auf dem Kopf. Ich stellte ihm viele Fragen, u.a. zur Kultur der No-go-Area, aber auch zur sozialen und politischen Lage der Region. Seine Antworten verstand ich ziemlich schlecht, vielleicht, weil er selbst beim Reden immerzu weiter lächelte, Kautabak kaute und vielleicht auch, weil der Alte schon zahnlos war. Im Grunde verstand ich seine Worte überhaupt nicht, bestenfalls hörte ich die stets gleiche Antwort „You are here!“ heraus.

Das hatte ich eigentlich nicht wissen wollen, weil ich dachte, ich wüßte es schon. Ich stellte ihm daher noch zahlreiche weitere Fragen. Er antwortete aber immer nur mit: „You are here!“

Rückblickend kann ich sagen, dass es genügt, zu wissen, dass es prinzipiell immer wieder um ein „You are here“ geht. Mit „You are here“ kommt man schon sehr weit. „You are here“, mittendrin in der No-go-Area: Dabeisein ist alles, das hatte mir der No-go-Guru sagen wollen. Und die Worte blieben mir im Gedächtnis, auch als ich die No-go-Area längst schon wieder verlassen hatte.

Wichtige Erkenntnis im Hier und Heute: You are here!