![]() |
OrdnungDie schwarz-weiße Welt der No-go-Area wirkt auf Ausheimische fremdartig, einfarbig, fast steril, wie eine Welt in Kopie. Alles Bunte und Wilde scheint sich im Blickwinkel einer auf reines Licht und reine Schatten reduzierten Wahrnehmung aufzulösen. Die Strichcodes suggerieren eine Hyperordnung und Konformität, in der für ein ursprüngliches Chaos keinen Platz zu geben scheint. Hatte Immanuel Kant die No-go-Area vor Augen, als er davon sprach, „dass wir als Originale geboren werden und als Kopien sterben“? Für die No-go-Area treffen all diese Außenansichten nicht zu. Man muss in die No-go-Area hineinblicken, um zu verstehen, dass dort Original und Kopie weitaus besser geschützt sind, als in hinlänglich vertrauten Umwelten. TABU und Copyright garantieren den Schutz von Original und Kopie, sofern sie nicht gebrochen werden. Selbst kopierte Wirklichkeiten haben in der No-go-Area damit einen hohen Stellenwert und werden als quasi originäre Wirklichkeiten anerkannt. Es wird nicht wertend unterschieden zwischen Natur und Kunst, Urform und Abdruck, Original und Kopie, Identität und Unidentität. Daraus leitet sich bekanntlich auch ein anderer Begriff von Identität in der No-go-Area ab. Identität und Originalität im Dazwischen sind Wesenszüge der No-go-Area. Die Strichcodes sind aus dieser Sicht ein Element des kreativen Chaos, nicht von Kontrolle. Der Schriftsteller Paul Wühr schrieb einmal: „Es dreht sich darum, die ursprüngliche Unordnung wiederherzustellen, und Zweifel zu wecken an jeder gewaltsamen Aufteilung in ‘richtig’ und ‘falsch’.“ Die No-go-Area in ihrer ursprünglichen Unordnung – fern von Entropie – ist eine paradiesische Umsetzung dieser Dichterworte. Die No-go-Area ist trotz mancher zivilisatorischen Einbrüche noch immer völlig ungezähmt. Unordnung, die sich mit allerlei Strichcodes und schwarz-weißen Fassaden den Anschein von Ordnung gibt, ist reiner Ausdruck der No-go-Area. Tabu und Copyright haben die No-go-Area davor bewahrt,sich im zivilisatorischen Einerlei zu verlieren. |